Ein „hölzerner“ Geburtstag

Antikhandel Tollensetal in der Presse

HANDWERK Die ehemalige Grapzower Gaststätte verwandelten zwei Mutige in eine Tischlerei und Antikmöbelwerkstatt. Beide arbeiten oft bis spät in die Nacht.

VON MATTHIAS LANIN

GRAPZOW. Es riecht nach Holz. Dieses leichte Aroma zerspanter Bäume hängt überall in der Luft, als gäbe es nur allbekannte Jahresringe auf Holzscheiben eines Waldes, den man lange nicht betreten hat. In der ehemaligen Grapzower Gaststätte drehen sich Schleifmaschinen und Gedanken um Holz.

Uwe Schefferski schleift Furnier zurecht, das millimetergenau in die Bruchstellen eines alten Möbelstücks passen muss. (Foto: M. Lanin)

Uwe Schefferski schleift Furnier zurecht, das millimetergenau in die Bruchstellen eines alten Möbelstücks passen muss. (Foto: M. Lanin)

Vor einem knappen Jahr haben Gregor Knak und Uwe Schefferski dort einen lang gehegten Traum in Angriff genommen. Sie haben sich mit einer Tischlerei und Antikmöbelwerkstatt selbstständig gemacht. „Das war die Flucht nach vorn, wenn man so will“, erläutert Schefferski und meint damit, dass beide zuvor auf der ganzen Welt unterwegs waren. Was sich Montage nennt, hat Knak nach Australien und Schefferski nach Südamerika geführt, jedenfalls weit weg vom eigenen Heim. Beide Unternehmer sind Väter zweier Kinder und wollten diese Sehnsucht nicht mehr, wollten das Reisen lassen. „Ich wollte nicht mehr in die Welt“, sagt Knak. Es gab nur die Selbstständigkeit als Lösung, wie sie ein Jahr später erzählen. Sie hatten sich über ihre Frauen kennengelernt, dann gemeinsam das äußerst renovierungsbedürftige Haus von Schefferski in Kessin erneuert. „Am Dach haben wir über ein Jahr zusammen gearbeitet und dabei kam uns die Idee“, wie der 49-jährige Uwe Schefferski sagt. Er hatte bereits 1991 eine ähnliche Firma in Neubrandenburg gegründet, nachdem er als TheaterWerkstatt- und Fundusleiter gekündigt hatte. Später lief ihm jedoch sein damaliger Kompagnon in Richtung Berlin davon, zusätzlich schlugen einige Bandscheibenvorfälle zu. Er gab 2000 auf, erholte sich gesundheitlich einigermaßen und begann mit der Montage. Ein Jahr nach der Gründung der Grapzower Tischlerei sehen beide Handwerker ihre Firmenbilanz nüchtern. „Wir hatten uns vorher absichtlich realistische Ziele gesetzt“, erklärt der 32jährige Gregor Knak. Mittlerweile haben sie einige Aufträge im Buch, arbeiten auch bis spät in die Nacht. „Nur von den Preisen her hat man in dieser Region wenig Spielraum“, wie Knak feststellt. Sie haben sich auf das Vollholz Geschäft konzentriert, restaurieren auch antike Möbelstücke. Doch so sehr wie in den Neunzigern sei das heute nicht mehr gefragt, sagt Schefferski. In den vergangenen Wintermonaten ist zum Werkstattbereich noch eine Möbelausstellung hinzugekommen, in der die beiden in Zukunft den Kunden die Ware zeigen können. Auch eine Internetseite soll bei der Kundengewinnung helfen. „Daran feilen wir auch gerade“, sagt Knak.

Am 1. April feiert das Unternehmen seinen ersten Geburtstag und der bis jetzt größte Auftrag ist ein großer und aufwendiger Holzbalkon in Loickenzin gewesen. Die Grapzower haben jedoch auch viele Treppen und Türarbeiten gemacht, sowie Parkettrestauration. In der Werkstatt steht ein Schrank von 1880, der in diesen Tagen „aufpoliert“ wird. „Uns ist es beim Restaurieren wichtig, dass es authentisch ist und bleibt“, betont Schefferski. Man könne als Handwerker natürlich Materialien und Bauweisen benutzen, die erst 80 Jahre später verwendet wurden. Doch das widerspreche ihrer Auffassung von Handwerk, ihrer Moral, wie sie sagen.

Nordkurier vom 23.03.2011



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