Hölzerne Schmuckstücke zwischen Barock und „Nudelmeier“

Antikhandel Tollensetal in der Presse

In Siedenbolletin gibt es eine ganz besondere Möbelausstellung

Grapzow/Siedenbollentin (AK/S.Haerter). Eine recht ungewöhnliche Möbelverkaufsausstellung wurde in Siedenbollentin eröffnet. Die selbständigen Handwerker Uwe Schefferski und Gregor Knak aus Grapzow präsentieren in der Langen Straße 34 ein ganzes Haus – zumindest ein Geschoss – voller alter Möbel, Lampen und Einrichtungsgegenstände. Das an sich ist noch nicht unbedingt bemerkenswert; eine Wohnung mit alten Schränken voll zu stellen, ist schließlich keine Kunst. Doch wer sich auf den Weg nach Siedenbollentin macht, wird schnell das Besondere dieser Ausstellung spüren, denn hier sind zwei Männer zugange, die goldene Hände haben, mit Liebe zu Werk gehen und darüber hinaus ein immenses Fachwissen an den Tag legen. „Wir wollen es eben immer hundertprozentig haben“, meint Uwe Schefferski fast rechtfertigend und lächelt. Wer bildlich sehen möchte, was das bedeutet, kann auf der Homepage der Fachleute einige Beispiele finden, die den immensen Aufwand verdeutlichen, wenn es gilt, aus einem Haufen jahrelang vernachlässigten Holzes wieder ein vorzeigbares Schmuckstück zu machen.

Mitte des Monats eröffneten Uwe Schefferski und Gregor Kank in Siedenbollentin eine informative Möbel(dauer)ausstellung. Foto: S. Haerter

Mitte des Monats eröffneten Uwe Schefferski und Gregor Kank in Siedenbollentin eine informative Möbel(dauer)ausstellung. Fotos: S. Haerter

Das alte dunkelgrau gestrichene Ausstellungsgebäude ist bereits von außen ein Hingucker. Und wer es betritt, fühlt sich in eine andere Zeit zurückversetzt. Genauer gesagt: in mehrere Zeiten, denn die liebevoll hergerichteten Zimmer sind mit sorgfältig restaurierten Möbeln aus den unterschiedlichsten Stilepochen eingerichtet, ohne zur „Heimatstube“ verkitscht worden zu sein. Das „Hundertprozentige“ ist hier sofort zu spüren, und wer einen Sinn für die Handwerkskunst der Altvorderen hat, dem wird es schwer fallen, wieder zu gehen, zumal hier alles zum Verkauf steht. In einem Raum glänzt ein zweihundert Jahre alter barocker Kleiderschrank mit originalen Beschlägen, dort steht eine Biedermeier−Kommode neben einem Gründerzeit−Tisch, ein altes Kinderbett wartet auf kleine Träumer, Wandspiegel mit dem originalen geschliffenen Glas oder mit Fliesen belegte Rauchtischchen aus den 30er Jahren künden von längst vergangenen Zeiten jenseits strikter Nichtrauchergesetze... Den teils berühmt gewordenen Originalen bis ins Kleinste nachempfundene Messinglampen tauchen das Ganze in ein schönes Licht.

Da passte es nur ins Bild, dass am Eröffnungs−Sonnabend zwei Mitglieder der Neubrandenburger Philharmonie zur Ausstellungseröffnung musizierten und nicht etwa ein DJ die Hits aus den 80er, 90ern und das Beste von heute auflegte. Lange haben Uwe Schefferski und Gregor Knak auf diesen Moment hingearbeitet, haben nicht nur das Ausstellungshaus hergerichtet, sondern auch alle Möbel eigenhändig restauriert. „Wir kaufen die Möbel im ganzen Land auf und restaurieren sie dann stilgerecht und objektbezogen“, erläutern die Unternehmer, die im April 2010 ihren Betrieb „Tischlerei, Antikhandel und Restaurierung“ im ehemaligen Grapzower Gasthof Wodrich in der Langen Straße 31 gründeten. Und obwohl die Handwerker ebenso gut Treppen bauen, Fachwerke, Zäune, Garagen oder Carports errichten können – kurz, das gesamte Leistungsspektrum einer Tischlerei aus dem FF beherrschen – können die beiden nicht verhehlen, dass der Part der Restaurierung ihnen besondere Freude bereitet. So genügt Uwe Schefferski nur ein Blick auf die meisten Möbel, und schon kann er treffsicher beispielsweise darüber Auskunft geben, ob ein Schrank aus dem Biedermeier kommt (also aus der Zeit ca. 1840 bis 1860) oder eher dem sogenannten „Nudelmeier“ (ca. 1860 bis 1870) zuzurechnen ist, wo per Bierlasur nur ein wertvolles Furnier oder Holz vorgetäuscht wurde, wie es eine Zeit lang Mode war.

Dieses immense Wissen des 50− Jährigen ist für die Kunden gleichsam die Garantie dafür, dass ihr wertvolles Familienerbstück für die Restaurierung auch in die richtigen Hände gerät. Das führt manchmal zu skurrilen Situationen: „Einmal haben wir ein Restaurationsobjekt völlig desolat teils in einer Tüte angeliefert bekommen, und der Kunde ist dann bei der Abholung einfach an seinem Möbel vorbei gelaufen, weil er es nicht für möglich gehalten hat, dass das seines gewesen sein könnte“, erzählen die beiden Experten und freuen sich noch heute diebisch über ihren gelungenen Coup. Selbstredend haben Uwe Schefferski und Gregor Knak bei der Ausstellungseröffnung viel zu erzählen gehabt – allein schon um der Geschichte(n) Willen sollte man diesen Ausflugstipp für Regentage nicht verpassen.

Erschienen im Anzeigenkurier am 25.07.2012



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